Corporate Podcasts und Videos bieten mehr als Informationen: Sie schaffen Nähe, steigern die Identifikation und bringen Zielgruppen zum Zuhören. So gelingen Formate, die wirken.
Autorin: Mag. (FH) Margit Wickhoff

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Zwischen Sendung und Sinn: Was ein Corporate Podcast wirklich ist
Ein Corporate Podcast ist ein Audiokanal eines Unternehmens – ursprünglich meist für externe Zielgruppen konzipiert. Ob CEO-Talk, Innovationseinblick oder Markenstory: Die Formate sind vielfältig, die Wirkung hörbar. Gerade in Zeiten hybrider Arbeitsmodelle bieten Podcasts zudem auch eine großartige Ergänzung in der internen Kommunikation.
Für wen reden wir eigentlich?
Corporate Podcasts richten sich meist an Kund:innen, Partner oder potenzielle Bewerber:innen – öffentlich zugänglich, oft mit starkem Markenfokus. Mitarbeiter:innen-Podcasts dagegen sprechen gezielt das Team an. Sie transportieren Kultur, informieren über interne Projekte oder geben Raum für Stimmen aus dem Unternehmen. Neben Tonalität und Inhalten unterscheiden sich die beiden Formate auch hinsichtlich der Distribution: Während der Corporate Podcast auf Spotify & Co. läuft, landet der interne Podcast meist direkt in der Mitarbeiter-App oder im Intranet und ist nicht öffentlich zugänglich.
Ton trifft Bild: Warum Videos immer ziehen
Ein vertrauter Klang, eine echte Stimme: Audio schafft emotionale Bindung. Mitarbeitende können Inhalte unterwegs hören – im Auto, beim Spaziergang oder zwischen zwei Terminen. Die Einstiegshürde ist niedrig, der Effekt hoch. Videos wiederum machen Gesichter sichtbar, schaffen Kontext und transportieren Körpersprache. Zusammen sind Audio und Video ein Dreamteam der Unternehmenskommunikation.
Wie lang darf es denn sein?
Die begehrteste Währung unserer digitalen Gesellschaft ist Aufmerksamkeit. Deswegen liegt der Erfolg in der Kürze. Videos für externe Zielgruppen, die etwa über Social Media verteilt werden, performen am besten, wenn sie unter 2 Minuten dauern – die Zuschauer:innenbindung sinkt danach rapide. Bei internen Formaten kann je nach Thema auch ein längeres Video sinnvoll sein, ideal sind aber 3–5 Minuten. Bei Podcasts ist laut Studien eine Länge von 20 bis 30 Minuten optimal – das entspricht in etwa dem Weg in die Arbeit oder einer Pause. Kürzere Folgen mit 10–15 Minuten werden besonders bei Wissensnuggets oder Mitarbeitenden-Updates gut angenommen. Entscheidend ist: lieber kürzer und auf den Punkt als zu lang und abschweifend.

Insights aus der Praxis:
Im Gespräch mit Petra Stambolija
Petra Stambolija ist Producerin des „talks at work“-Podcasts und Expertin für Audio- und ideoproduktion. Im Interview teilt sie ihre besten Tipps für gelungene Aufnahmen und verrät, warum Authentizität manchmal wichtiger ist als perfekte Technik.
Was ist dein liebstes Mikro für Podcast-Aufnahmen?
„Ein Mikrofon wie das Shure SM7B ist eine gute Investition – es liefert top Qualität und blendet Raumgeräusche aus. Für unterwegs funktionieren auch Lavalier-Mikros von RØDE oder sogar das iPhone erstaunlich gut.“
Wie schafft man gute Tonqualität im Büro?
„Decken aufhängen, Türen schließen, Nebengeräusche vermeiden – schon ist viel gewonnen. Wichtig: nicht übersteuern, also nicht zu laut ins Mikrofon sprechen oder das Mikro zu nah am Mund positionieren, sodass die Tonspur verzerrt klingt und klirrt. Denn übersteuerte Audios kann man im Nachhinein kaum retten.“
Was gilt bei Videoaufnahmen?
„Gutes Licht ist die halbe Miete. Softboxen oder Tageslicht aus einem Fenster wirken Wunder. Und: Auch ein iPhone liefert mittlerweile starke Videoqualität. Wer wackelfreie Bilder will, kann mit einem Gimbal arbeiten. Das ist ein Handstativ, das ein Verwackeln von Videos – auch in Bewegung – verhindert.“
Worauf kommt es in der Postproduktion an?
„Das Rohmaterial entscheidet. Wer sauber aufnimmt, spart sich später viel Schnitt. Trotzdem: Für ein rundes Ergebnis lohnt sich oft die Zusammenarbeit mit Profis – gerade wenn es um Schnitt, Musik oder Tonangleichung geht.“
Was ist dir persönlich wichtig bei einem guten Podcast?
„Perfektion ist nicht das Ziel. Besser ein ehrliches Lachen oder ein kleiner Versprecher – das macht einen Podcast menschlich. Zuhörer:innen spüren sofort, ob Emotion und Authentizität da sind, oder nur abgelesen wurde.“
Schritt für Schritt: So entsteht ein Corporate-Podcast
1.
Ziel & Zielgruppe klären – Wozu dient der Podcast? Wen wollen wir erreichen?
2.
Format & Thema wählen – Interview, Talk, News-Update?
3.
Redaktionsplan erstellen – Inhalte, Taktung, Zuständigkeiten
4.
Technik organisieren – Mikrofon, Aufnahme, Raum
5.
Aufnehmen – live oder remote (z. B. via Teams)
6.
Schnitt & Nachbearbeitung – Ton glätten, Musik einfügen
7.
Veröffentlichung – intern (App, Intranet) oder extern (Spotify, Apple etc.)
Tool-Time: Technik, Tipps & kleine Helferlein für den Start
Empfohlene Mikrofone:
• Shure SM7B (Premium, studio-tauglich)
• RØDE Wireless GO II
• iPhone (für schnelle, einfache Setups)
Empfohlene Lichtquellen:
• Softbox mit Tageslichttemperatur
• LED-Videolichter mit Farbtemperaturregelung
• Natürliches Licht (große Fenster nutzen)
Aufnahme-Tools:
• Audio: GarageBand (Mac), Audacity (Windows), Logic Pro (Pro-Level)
• Video: iPhone mit Gimbal, Zoom H1 für mobile Audioqualität
Schnitt- und Hosting-Plattformen:
• Schnitt: Adobe Audition, Descript, CapCut (Video)
• Hosting: LetsCast.fm, Podigee, Anchor.fm (für externe Podcasts)
• Intern: Upload via Mitarbeiter-App oder Intranet, z. B. über ein eingebettetes Mediacenter
Unsere Corporate-Podcast-Tipps
Gute Ideen gibt’s nicht nur im eigenen Studio. Unsere Redaktion hat in die Corporate-Podcast-Welt reingehört und eine Auswahl an Formaten getroffen, die zeigen, wie Unternehmenskommunikation heute klingt: inspirierend, nahbar und professionell produziert.